Ausbildung

Einleitung

Du hast dich entschlossen eine neue Freizeitbeschäftigung zu erlernen: das Sporttauchen. Um dir eine erste Übersicht über das was dich in den nächsten Wochen und Monaten erwartet zu geben, haben wir für dich diese Informationen zusammengestellt. Wundere dich nicht über das kollegiale Du, aber alle Taucher duzen sich! Lasse dich nicht entmutigen, wenn du einige Dinge in diesem Skript nicht auf Anhieb verstehen solltest. Der gesamte Inhalt wird im Theorieunterricht wiederholt und dort ist auch genügend Zeit um aufgetretene Fragen zu klären. Leider reicht ein reines Literaturstudium nicht aus, um das Tauchen zu erlernen. Neben dem Theorieunterricht wirst du erste Lektionen über wichtige Techniken und den Umgang mit dem Gerät im Schwimmbad erlernen. Erst wenn du dich mit der Ausrüstung sicher fühlst, werden wir zusammen erste Tauchgänge in den umliegenden Seen unternehmen.

Bevor du aber an den praktischen Lektionen teilnehmen kannst, brauchen wir von dir eine positive tauchsportärztliche Untersuchung. Die bekommst du, wenn du dir vom Geschäftsführer des Vereins einen entsprechenden Vordruck geben läßt und deinen Hausarzt bittest diese Untersuchung durchzuführen. Teilweise wird dich der Arzt jedoch an Kollegen verweisen oder ein Honorar verlangen, da er die Untersuchung nicht mit der Krankenkasse abrechnen kann. Falls du hier Schwierigkeiten hast, frage im Verein nach Adressen von Ärzten.

Nachdem du dir das Training einige Wochen angeschaut hast und interessiert bist, eine umfassende Ausbildung zu erhalten, wirst du dem Tauchsportverein Menden e.V. beitreten müssen. In der Aufnahmegebühr von 80 EUR und dem jährlichen Vereinsbeitrag von zur Zeit 72 EUR ist die Grundausbildung eingeschlossen und eine Tauchsportversicherung, die den Verein und dich vor finanziellen Schäden bewahrt. Außerdem bekommst du einen Taucherpass und ein Logbuch in denen deine abgelegten Prüfungen beurkundet und deine Tauchgänge dokumentiert werden. In Kürze wird dir auch die Verbandszeitschrift “Sporttaucher” sechsmal im Jahr kostenlos zugeschickt.
Der Tauchsportverein Menden hat etwa 135 Mitglieder. Im Laufe eines Jahres werden verschiedene Fahrten zu in- und ausländischen Tauchzielen angeboten, es werden Grillfeten organisiert und jährlich findet ein Treffen mit dem Tauchverein der belgischen Partnerstadt Mendens statt. Jeweils Montag- und Freitagabend um 18:00 Uhr werden am Vereinskompressor im Hallenbad Menden die Druckluftflaschen gefüllt. Hier hast du die Möglichkeit bei einem Getränk mit erfahrenen Tauchern zu klönen oder eine Verabredung zum Tauchen in den nächsten Tagen zu treffen. Solltest du weitere Fragen haben stehen dir der Vorstand des TSV Menden sowie alle Mitglieder gerne zur Verfügung.
Wir freuen uns dich in unserer Runde begrüßen zu können und wünschen dir im folgenden viel Spaß beim Tauchen.

ABC- Ausrüstung

Bevor du an der ersten Trainingsstunde im Hallenbad teilnimmst, benötigst du die sogenannte ABC- Ausrüstung. Diese Ausrüstung besteht aus einer Taucherbrille, Schnorchel und Schwimmflossen. Die Ausrüstung kannst du bei einem Tauchsportgeschäfte erwerben. Es genügt eine einfache Ausrüstung deren Preis 100 EUR nicht überschreiten sollte. Beim Kauf sind folgende Punkte wichtig:

Taucherbrille:

Die Taucherbrille sollte sehr gut passen und Augen sowie die Nase einschließen. Modelle mit eingebautem Schnorchel sind ungeeignet! Die Dichtigkeit der Brille kannst du überprüfen indem du sie ohne das Nackenband aufsetzt und durch die Nase einatmest. Bleibt die Brille jetzt am Gesicht kleben, ist sie passend. Die Nase muß von außen mit deiner Hand bequem greifbar sein (Druckausgleich). Das Volumen der Maske sollte so klein wie möglich sein (Maske ausblasen). Um ein Beschlagen der Gläser zu verhindern, spuckt man innen auf die Gläser und verreibt den Speichel. Vor dem Aufsetzen wird die Maske noch mit Wasser gespült. Hast du dich zu einer Taucherbrille aus Silikon entschieden, klappt diese Methode besonders zu Beginn nicht gut.

Praxistip:

Bei hartnäckigen Beschlagen hilft das Einreiben des Maskeninneren mit Zahnpasta und anschließendes gründliches Spülen!

Bei einer eventuellen Fehlsichtigkeit sind Taucherbrillen mit entsprechend korrigierten Gläsern im Tauchsportfachgeschäft erhältlich.

Schnorchel:

Der Schnorchel ist ein etwa 35 cm langes 2 cm dickes gebogenes Rohr mit Mundstück, das es dir erlaubt, an der Wasseroberfläche zu atmen, ohne den Kopf aus dem Wasser zu heben. Weitere mögliche Details eines Schnorchels sind eine teure Spielerei und nicht nötig. Der Schnorchel darf nicht länger als 35 cm sein, da es sonst zu einer Pendelatmung kommt: die verbrauchte Luft aus der Lunge wird nicht ausgetauscht, sondern nur hin- und her geatmet! Letztlich erstickt man, da kein neuer Sauerstoff verfügbar ist.

Flossen:

Im Schwimmbad benötigst du sogenannte Schwimmbadflossen, die ein geschlossenes Fußteil aufweisen (also keine Riemen an der Ferse!). Sie sollten fest aber bequem passen. Die Länge und Festigkeit der Flossen richtet sich nach deinem Trainingsstand. Am Anfang sind weiche etwa 50 cm lange Flossen optimal. Je länger und härter die Flossen sind, desto leichter bekommt man am Trainingsanfang Wadenkrämpfe.

Sicherheit:

Das Sporttauchen ist eine sehr sichere Sportart, vorausgesetzt man beachtet einige wichtige Regeln.
Die wichtigste Regel lautet: Tauche nie alleine. In Notfällen kann dein Partner oder du sofort helfen. Auch beim Training im Hallenbad gilt: Schnorchelübungen werden nie unbeaufsichtigt unternommen! In diesem Zusammenhang sei auch auf die Verpflichtung eines jeden Tauchers zu aktiver Partnerhilfe hingewiesen.
Du solltest auch nur an Tauchgängen bzw. am Training teilnehmen, wenn du dich körperlich und geistig fit fühlst. Bei Unwohlsein sollte lieber auf den geplanten Tauchgang verzichtet werden, selbst wenn schon eine weite Anreise erfolgte. Wenn die äußeren Bedingungen vor Ort, wie Sturm, Strömung usw. sich nicht eindeutig beherrschen lassen, solltest du ebenfalls lieber auf den Tauchgang verzichten, ebenso, wenn du zu deinem Tauchpartner kein Vertrauen hast. Den Anweisungen von Personen, die mit den örtlichen Verhältnissen vertraut sind, sollte ohne große Diskussion gefolgt werden.

Anleitung zur ABC- Ausrüstung

Die ersten Trainingsstunden werden dich mit dem Umgang der ABC- Ausrüstung vertraut machen. Hierbei ist sicherlich das Flossenschwimmen am wichtigsten.

Flossenschwimmen:

Der Vortrieb erfolgt nur mit den Flossen, die Arme werden zu Beginn nach vorne gestreckt. Der Beinschlag beim Flossenschwimmen entspricht dem Kraulbeinschlag: Die Beine werden langsam aber kraftvoll entgegengesetzt von unten nach oben bewegt. Die Beine bleiben dabei fast völlig gestreckt, die Kraft kommt aus den Hüften. Der häufigste Fehler bei Beginnern ist das sogenannte “Radfahren”, wobei die Knie angewinkelt werden. Da diese Fortbewegung ineffektiv ist, soll dies auf alle Fälle vermieden werden. Die Flossen sollten die Wasseroberfläche nicht durchstoßen, da nur das Wasser genügend Druck für den Vortrieb erzeugt.

Abtauchen:

Um ohne großen Energieaufwand abtauchen zu können, benutzen wir das sogenannte Ententauchen: Ausgehend von der gestreckten Schwimmlage knicken wir in der Hüfte nach unten ein. Die Beine werden senkrecht nach oben geführt, so daß das Gewicht der Beine uns unter Wasser drückt. Um diesen Effekt zu verstärken ist eventuell am Anfang ein Brustarmzug sinnvoll. Die Flossen werden erst eingesetzt wenn Sie unter Wasser sind. Auch hier ist der häufigste Fehler ein Einknicken der Knie, die hierbei immer gestreckt sein sollten. Beim Auftauchen wird nach Durchstoßen der Wasseroberfläche der Schnorchel ausgeblasen. Hierzu wird kräftig durch den Mund ausgeatmet, dann aber erst vorsichtig flach eingeatmet um eine eventuelle Pfütze im Schnorchel nicht in die Lunge gelangen zu lassen. Dann wird noch einmal kräftig ausgeatmet, so daß der Schnorchel sicher trocken ist.

Druckausgleich:

Beim Abtauchen stellt sicher jeder schon nach kurzer Zeit einen Schmerz im Ohr fest. Dieser Schmerz entsteht während des Abstiegs durch den zunehmenden Wasserdruck auf das Trommelfell, das sich nach innen wölbt. Hier hilft der Druckausgleich, der folgendermaßen abläuft: Man faßt mit einer Hand durch die Taucherbrille die Nase an und hält sie zu. Nun drückt man aus der Lunge gegen die zugehaltene Nase, etwa so als wollte man sich Schneuzen. Dabei hört man ein Zischen oder Pfeifen im Ohr womit der Druckausgleich wieder hergestellt ist und der Schmerz verschwindet. Mit dem Druckausgleich sollte man schon an der Wasseroberfläche beginnen und fortsetzen noch bevor ein Schmerz entsteht. Beim Auftauchen geht der Druckausgleich von selbst. Wenn du erkältet bist, kann es vorkommen, daß der Druckausgleich nicht funktioniert. In einem solchen Fall hilft nur ein Pausieren bis du wieder gesund bist, auf keinen Fall dürfen Nasentropfen vor dem Tauchen oder vor dem Training verwendet werden, da diese erhebliche Schäden verursachen können!

Atmung:

Die Atmung ist eine normalerweise unbewußte körperliche Funktion, die einem erst beim Luftanhalten oder Tauchen richtig bewußt wird. Durch das Einatmen füllen wir unsere Lunge mit Umgebungsluft. In der Lunge selbst tritt diese Luft in gelöster Form in das Blut über. Der Kreislauf verteilt vor allen Dingen den Sauerstoff zu den einzelnen Organen, wo durch körperliche Arbeit aus dem Sauerstoff Kohlendioxid gebildet wird, das über das Blut zur Lunge transportiert wird und dort abgeatmet wird. Bei einer mäßigen Anstrengung, wie etwa beim Tauchen rechnen wir mit einem Atemminutenvolumen (Luftverbrauch) von etwa 20 Litern pro Minute an der Oberfläche.

Hyperventilation:

Vor einem längeren Strecken- oder Zeittauchversuch atmen viele Menschen häufig tief ein und aus. Sie meinen so länger die Luft anhalten zu können. Dieses Verhalten ist jedoch falsch und sogar gefährlich. Unser Körper und unser Gehirn benötigt Sauerstoff zum Überleben. Unser Blut ist zum allergrößten Teil mit Sauerstoff gesättigt. Verstärktes Atmen führt nicht zu einer Zunahme der Sauerstoffmenge, sondern zu einer Abgabe des Kohlendioxids im Blut. Der Atemreiz, also der Impuls der uns zwingt zu atmen wird durch den Kohlendioxidspiegel gesteuert. Je mehr Kohlendioxid im Blut ist, desto stärker der Atemreiz. Halten wir die Luft an, sinkt der Sauerstoffgehalt des Blutes durch den Verbrauch in den einzelnen Organen und gleichzeitig steigt der Kohlendioxidspiegel an. Ist ein bestimmter Grenzwert erreicht können wir nicht länger die Luft anhalten, sondern müssen atmen. Ist durch verstärktes Abatmen der Kohlendioxidspiegel jedoch stark erniedrigt, ist im Blut nicht mehr genügend Sauerstoff um das Gehirn zu versorgen, der Atemreiz setzt aber noch nicht ein. Die Folge: Man wird ohnmächtig. Das verstärkte Atmen heißt Hyperventilation und muß vermieden werden, da es zur Ohnmacht unter Wasser führen kann (Schwimmbad- Black- Out). Vor längeren Strecken- und Zeittauchversuchen sollte höchstens 3 bis 4 Mal tief eingeatmet werden. Niemals sollte dieses Verfahren fortgeführt werden, bis sich zum Beispiel ein Kribbeln in den Händen bemerkbar macht! Wegen des oben beschriebenen Zusammenhangs sollten derartige Tauchversuche nie unbeobachtet unternommen werden (Sicherheit ).

Maske ausblasen:

Eine wichtige Technik ist das Entleeren einer vollgelaufenen Tauchermaske unter Wasser. Dies geschieht gelegentlich durch unvorsichtiges Treten eines Tauchpartners oder durch eine nicht gut passende Maske. Um das Wasser wieder zu entfernen muß nicht wieder aufgetaucht werden. Man drückt mit einem Finger die Tauchmaske auf die Stirn und schaut dabei in Richtung Wasseroberfläche. Dann atmet man vorsichtig durch die Nase aus und das Wasser entweicht aus der gefluteten Tauchmaske. Eventuell muß man bei einem großen Volumen der Maske das Verfahren wiederholen. Taucht man mit dem Atemgerät, hat man genügend Zeit, die Maske in Ruhe auszublasen. Du kannst während des Manövers weiter aus deinem Atemregler atmen. Bei einigen Leuten gelingt das nicht auf Anhieb, weil der sogenannte Nasenreflex hier behindert. Das bedeutet, daß man nicht durch den Mund einatmen kann, wenn einem das Wasser an der Nase steht. Dieser Reflex kann jedoch durch Übung überwunden werden. Zur Not kann man mit einem Schnorchel ohne Maske in der Badewanne atmen üben!

© by Andreas Wilk